Es ist fast dunkel in der Werkstatt. Der Tiegel mit der rot glühenden Bronze verbreitet ein magisches Licht. Der Gefangenenchor aus Verdis Oper „Nabucco“ erfüllt den Raum. Er ist das akustische Signal für die Dauer des Gusses und unterstreicht die Dramatik des Augenblicks. Durch den Guss werden die Tonmodelle der Skulpturen von Cornelia Hammans für die Ewigkeit vollendet.

 

Schon viele Male hat die Künstlerin dieses Spektakel miterlebt, hat den spannenden Moment genossen, wenn der Gießer ihre Skulpturen nach dem Abkühlen aus der Form schlägt.

 

Gerne nimmt sie Kunstliebhaber oder Freunde zu diesem besonderen Erlebnis mit.

 

Entscheidend für ihren Weg war sicherlich die Kunstbegeisterung ihrer Eltern. Durch die zahlreichen Ausstellungs- und Messebesuche lernte sie, ihr Auge zu schulen. Nach Banklehre und Studium suchte sie nach einer freien Ausdrucksform. Mit der Bildhauerei fand sie dann ihre eigene Sprache. Ihre künstlerischen Fertigkeiten erlernte Cornelia Hammans bei der Bildhauerin Anneliese Langenbach in Düsseldorf, bei Ernemann Sander in Bonn und schließlich in München im Atelier von Sigrid W. Mathews-Hofmann.

 

Ihre Figuren erzählen Geschichten aus ihrem Leben. Sie lassen erahnen, welchen Weg die Künstlerin eingeschlagen hat oder in welchem inneren Zustand sie sich im Moment des Schaffens befand.

 Anfänglich gegenständlich, sanft, eher in sich gekehrt, befreien sich ihre Werke über die Jahre vom Konkreten, geraten in Bewegung, erhalten unbändige Kraft und mitreißende Lebensfreude, mitunter auch einen eigensinnigen Charakter mit Ecken und Kanten. Cornelia Hammans gibt ihren Figuren Namen, die schon viel verraten – da sind der „Stolz“, aufrecht und gerade, die drei tanzenden Schwestern als „Leichtigkeit des Seins“, der „Entschluss“, der entschieden Aufbruch signalisiert, die sinnliche „Glückliche“, die schmelzende „Lebenslust“ – die weichen, weiblichen Rundungen wollen nicht nur von den Augen erfasst werden, man will sie berühren.


Die neueren Arbeiten brechen aus dem glatten, harmonischen Muster aus, sie zeigen Kanten und Durchbrüche – die „Aufrechte“ oder das „Rückgrat“, der wild entschlossene „Phönix“. So entschlossen, wie Cornelia Hammans durch ihr Leben geht. Ihre große Kunsthalle in Warngau, in der sie während der letzten Jahren gearbeitet und die sie mit abwechslungsreichen Events bespielt hat, tauschte sie im vergangenen Jahr gegen ein behütendes Landhaus am Waldrand.

„Meine Ausstellungen, Konzerte und großen Abendessen dort waren wunderbar und immer ein Erfolg. Ich hatte viele interessante, kunstsinnige Menschen zu Gast. Aber ich habe mich mehr um das Marketing der Halle als um meine Kunst gekümmert“, erklärt sie. Schließlich hat sie parallel dazu auch noch zahlreiche Ausstellungen und Messen rund um den Globus, von St. Moritz bis Kasachstan, von Hongkong bis New York, mit ihren Werken bestückt. Jetzt ist sie wieder freier, neuen Ideen Raum zu geben.

 

Und wenn Cornelia Hammans dann im orangeroten Licht steht, bei den Klängen des Gefangenenchors gebannt auf den Guss ihrer neuesten Werke wartet und anschließend erleichtert den Kaiserwalzer tanzt, ist sie ganz in ihrem Element.